8. bis 10. Juli 2022 Campingplatz Utting am Ammersee

Wir bekamen für Samstag, den 9. Juli eine Einladung von unserer Schwiegertochter Michaela; endlich sollten wir die kleine Helena wiedersehen. Kleine Babys entwickeln sich ja so schnell und es ist immer wieder schön, diese Entwicklung beobachten zu können.

Ralf und mir kam unabhängig voneinander die Idee, dieses Wochenende auf einem Campingplatz an einem der 5 Seen westlich von München zu verbringen und von dort aus zu Tobias und seiner Familie zu fahren. Gar kein so leichtes Unterfangen so mitten in der Hauptsaison in einer so beliebten Gegend. Aber wir hatten Glück und Ralf konnte den letzten freien Platz auf dem Campingplatz in Utting am Ammersee reservieren. Wir waren sehr gespannt, was uns erwarten würde, denn wir waren ja noch in der Hauptsaison auf einem solchen „Hotspot-Campingplatz“. Wir machten uns auf vieles gefasst, freuten uns aber sehr darauf.

Die Wetterprognose entwickelte sich leider nicht zum Guten und zur Wochenmitte war das schöne, warme Wetter der letzten Tage Vergangenheit. Richtig herbstlich war es geworden, aber zum Wochenende hin sollte es wieder besser werden. Trotzdem entschlossen wir uns dazu, endlich einmal das Luftzelt, das wir Anfang letzten Jahres gekauft hatten, mitzunehmen und zu testen. Damit sollte auf jeden Fall ein schönes Wochenende möglich sein.

Freitags fuhren wir dann direkt von der Arbeit in München los. Ich liebe das ja sehr. In einer dreiviertel Stunde schon war das Ziel erreicht und wir konnten ganz ohne Formalitäten (der Platz war schon komplett bezahlt) unseren Stellplatz D12 beziehen. Ganz entgegen unserer Erwartungen fanden wir den Platz recht geräumig, rundherum waren noch einige freie Plätze und wir konnten mit ein bisschen Mühe sogar den See erkennen. Wir packten unsere Stühle und den Tisch auf, stellten das Dach auf um Platz zu schaffen, dass der Herd in Betrieb genommen werden kann und dann gab es erst einmal Kaffee und Kuchen. Die Sonne war herausgekommen und wärmte angenehm und wir genossen es, wieder draußen zu sein.

Nach dieser Stärkung stellten wir uns der Herausforderung, das Zelt aufzubauen. Wir hatten es ja bisher nur einmal in der Hofeinfahrt aufgebaut, ohne es am Bus zu befestigen, aber es klappte trotzdem richtig gut. Ja, okay, wir mussten ein bisschen experimentieren, weil wir zunächst vergessen hatten, das Zwischenstück zur Kederschiene zu benutzen, ohne das es etwas schwierig geworden wäre, am nächsten Tag wegzufahren, aber auch das ging recht problemlos vonstatten. Bald schon stand das Zelt prächtig neben unserem Bus.

Dann richteten wir uns häuslich ein, genehmigten uns zur Belohnung einen Aperol Spritz und beobachteten, was um uns herum so passierte. Die direkte Nachbarschaft war recht angenehm, aber ein paar Parzellen weiter ließ eine größere Gruppe (Familientreff?) schon die Bierflaschen klingen, was auf eine etwas unruhige Nacht hinweisen könnte …

Wir unternahmen noch einen ersten Spaziergang und erkundeten ein bisschen den Platz und seine Umgebung (richtig schön) und machten uns etwas zu essen. Abends kam wieder der Skotti zum Einsatz und es gab zu den veganen Bratwürstchen Tomatensalat mit Mozzarella. Nach dem Essen setzten wir uns mit einer Flasche Wein auf eine Bank am See und genossen den Ausblick und die friedliche Stimmung.

Die Nacht war dann nicht ganz so friedlich, weil die benachbarte Gruppe bis in die frühen Morgenstunden viel Spaß hatte, aber dank Oropax konnten wir dann doch recht gut schlafen, auch wenn ich leider etwas frieren musste.

Den Samstagmorgen, an dem wir ziemlich früh wach waren, ließen wir gemütlich und ruhig angehen. Für den ersten Kaffee setzten wir uns wieder an den See und ließen die Stimmung am frühen Morgen auf uns wirken. Wir entschlossen uns, unsere Frühstücksbrötchen nicht am kleinen Laden am Campingplatz zu kaufen, sondern uns ein wenig Bewegung zu verschaffen und einen Spaziergang ins Dorf zu machen. Das, was wir von Utting sehen konnten, hat uns ganz gut gefallen. Ein nettes Örtchen ohne besondere Highlights – klar, das Highlight ist halt der See. Auf dem Rückweg vom Bäcker entdeckten wir noch einen kleinen Markt, auf dem wir bestimmt besseres Backwerk als das soeben erstandene hätten kaufen können, aber so ist das nun mal manchmal. Ebenso kamen wir an einem großen Biergarten am See und an einer Fischerei vorbei, bei der gerade Fisch geräuchert wurde. Prima, damit wussten wir schon mal, was es zu Mittag geben würde.

Nach dieser größeren Runde schmeckte das Frühstück, das wir bei schönem Sonnenschein einnehmen konnten, dann umso besser. Anschließend drehten wir noch eine kleine Spazierrunde und dann war es schon wieder Zeit fürs Mittagessen. Ein leckeres Fischbrötchen mit geräuchertem Fisch frisch aus dem See, das wir direkt im Gehen verzehrten – lecker.  Aber zurück am Platz sahen wir, wie jemand mit einer Tüte Pommes aus dem angrenzenden Lokal kam. Pommes wie früher im Freibad! Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang ließ uns das keine Ruhe und wir erstanden noch zwei Portionen der frisch frittierten Nostalgieköstlichkeit, die wir uns vor dem Camper schmecken ließen.

Als dann um 14.30 Uhr die Schranken des Campingplatzes wieder geöffnet wurden, fädelten wir das Vorzelt von unserem Fahrzeug ab und machten uns auf den Weg zu unserer kleinen Enkelin, die uns mit ihren 4 Monaten natürlich wieder entzückte. So verbrachten wir einen schönen Nachmittag mit der ganzen Familie.

Zurück am Platz klappte das Einfädeln des Vorzelts wider Erwarten ziemlich gut. Wir hatten beim Wegfahren die Auffahrkeile zum Anvisieren beim Einparken liegen lassen und so konnten wir uns punktgenau platzieren. Sehr cool. Dann musste natürlich bald wieder ans Abendessen gedacht werden und nachdem wir gestern keine Freitags-Pizza hatten besuchten wir die nahe gelegene Pizzeria. Das Essen war ganz okay, aber die Unfreundlichkeit des Service hinterließen einen schalen Nachgeschmack.

Als der Abend dann fortschritt hörten wir aus verschiedenen Richtungen diverse Geräuschquellen: Stimmengewirr und Gelächter aus dem Restaurant „Seepavillon“, Live-Musik aus dem nahe gelegenen Biergarten, wieder einmal die Menschengruppe aus der Nachbarschaft, die inzwischen noch etwas größer geworden war und Disco-Musik von irgendwoher. Hm, die ersten beiden Quellen machten uns keine großen Sorgen, weil diese Lokalitäten irgendwann vor Mitternacht auf jeden Fall schließen würden. Aber die beiden letztgenannten Punkte würden uns wahrscheinlich noch länger beschäftigten. Trotzdem genossen wir den schönen Abend vor unserem Camper.

Die Nacht war dann genauso bescheiden wie befürchtet. Die Nachbarn genossen ihre Zusammenkunft und lachten und redeten wieder bis weit nach Mitternacht und das Dorffest mit seinem Disco-Gewummere endete erst gegen 4 Uhr früh. Der leichte Regen, der in der Nacht fiel, schreckte offenbar die Feierenden nicht ab. Trotz Oropax konnte ich bis dahin kaum eine Auge zu tun und in dieser Nacht entschied ich, endlich in maßangefertigte Ohrstöpsel zu investieren, da mir die normalen Varianten einfach immer rausfallen und nicht ordentlich abschirmen. Irgendwie habe ich seltsame Gehörgänge, weil Ralf dieses Problem nicht hat. Er konnte auch wieder einigermaßen gut schlafen.

Aber auch solche Horronächte gehen irgendwann zu Ende. Leider war der Sonntagmorgen dann wie vorhergesagt bewölkt und kühl. Als erstes hieß es nun, das Vorzelt etwas vom Regenwasser zu befreien. Also erst einmal ausschütteln und danach habe ich die Zeltwände mit einem Mikrofasertuch abgewischt. Das musste reichen, zuhause muss das Ganze dann sowieso zum Trocknen aufgehängt werden. Regen und zelten sind zwei Dinge, die nicht so besonders gut zusammenpassen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn man auf einem Roadtrip das Zelt nass zusammenbauen und bei der Ankunft am nächsten Platz genauso nass wieder aufbauen muss. Ob das dann dauerhaft noch dicht bleibt, wenn es weiter regnet? (Kleiner Reminder für eine eventuell irgendwann einmal anstehende Reise in nördliche Regionen…)

Unsere Brötchen kauften wir heute im Tante-Emma-Laden auf dem Platz und stellten fest, dass sie besser waren als die gestern im Dorf gekauften Backwaren. So genossen wir noch unser Frühstück, bevor wir einpackten und nach Hause fuhren.

Trotz der bescheidenen Nächte war es ein sehr schönes Wochenende. Der Platz hat uns überzeugt, obwohl wir nur einen kleinen Stellplatz gebucht hatten, war er für uns ausreichend groß und ich habe mich auch nicht eingeengt gefühlt. Die Lage direkt am See ist super schön, das Sanitärgebäude ausreichend groß und immer sauber, obwohl der Platz wirklich gut belegt war und es gibt viele Restaurants in Fußnähe. Beim Auschecken wurde ich gefragt, ob ich zufrieden war und auf meinen Bericht über die lauten Nachbarn war man ehrlich zerknirscht. Da hätte der Nachtwächter offenbar nicht gut aufgepasst. Aber mit meinen neuen Ohrstöpseln, die ich demnächst haben werde, werden mich solche Kleinigkeiten vielleicht auch nicht mehr so sehr beeinträchtigen.

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